Still: Die Taurus-Berge, von der Çukurova, der Tiefebene bei Adana, aus gesehen

Yaşar Kemal, einer der bedeutendsten türkischen Schriftsteller der Gegenwart, erzählt in diesem Film und wir erzählen über Yaşar Kemal. Die Menschen seien eigentlich Nomaden, sagt er – das ist der Ausgangspunkt. Sesshaft seien sie erst seit sehr kurzer Zeit. Und er erzählt von seiner Familie, von den Vertreibungen und von den großen Arbeitsemigrationen.

Wir erzählen, worum es in seinem Roman Ortadirek (deutsch: „Der Wind aus der Ebene“) geht. Zuerst einmal um die Çukurova, Kemals Heimat und der Schauplatz der meisten seiner Romane. Die einst sumpfige, jetzt fruchtbare Ebene zwischen den wilden Taurusbergen und dem Meer, jene Ebene, wo man dreimal im Jahr ernten kann, wo aber die feuchte, die gelbe Hitze des Sommers das Leben unerträglich macht.

Ein ganzes Dorf bricht auf, aus den kargen Bergen hinunter in die Ebene – zum Baumwollpflücken. Auf dem Weg erfahren wir – und erzählt Yaşar Kemal uns – etwas über seine Welt: die Motive seiner Romane, sein Schreiben, sein Leben. Und wir erfahren, wir hören und sehen etwas über das Leben der Menschen in der Çukurova.

Vordergründig mag es um Nomaden und Hirten, um Räuber gehen, um Wanderarbeiter und grausame Großgrundbesitzer, um Afscharen und Kurden, um das Dorf Hemite, den Fluss Ceyhan und die Burg von Anavarza.

Vergleichbar der „alten“, der griechisch-römischen Antike (und tatsächlich ist sie ja, das alte Kilikien, ein Teil von ihr)  wird aber unversehens die Çukurova bei Yaşar Kemal und im Film zu einem Land der Legenden, der Epen der Barden, der Gedichte, der Elegien der Frauen, zu einem Land des Mythos. Und scheint die ganze Welt einzuschließen.

 

Yaşar Kemal und seine Landschaft

ein Film von Merlyn Solakhan und Manfred Blank, 30 Minuten, Farbe, 1995

Kamera: Martin Manz, Christiane Lange, Schnitt: Klaus Dörries

Produktion: blankfilm Berlin für WDR