Photo von meinem Bruder Günter: Das Haus meiner Geburt in Rieste, im Winter 1953/54

Die Deklination des Werwolfs

Das Thema des Films hat – leider, muss ich fast sagen – Konjunktur. Es häufen sich die Ausstellungen, Vorträge, Bücher, Fernsehdokumentationen und Zeitungsartikel zu den „Vertreibungen der Deutschen aus den Ostgebieten“ und ich werde das Gefühl nicht los, dass trotz aller gegenteiligen Beteuerungen dies mit einer um sich greifenden Laxheit zu tun hat im Umgang mit der Schuld, die deutsche Regierungen, nein, die das Volk der Deutschen im vergangenen Jahrhundert auf sich geladen hat und die auf immer das Korrektiv sein muss für die angebliche Enttabuisierung des Unrechts, das den Deutschen in diesem Zusammenhang zugefügt worden ist. Mit dieser Mode hat das vorliegende Projekt nichts zu tun – zumal es seine Ursprünge weit vor jener neuesten Stimmung im Westen hat.     

  Ein Heimatfilm und ein home movie. Aber aus der Gegenwart. Der Film erzählt aus dem Leben von Menschen und er erzählt von Orten. Beides hängt miteinander zusammen, weil die Orte diejenigen sind, an denen sich das Leben der Menschen abspielt.

   Der Film erzählt aus meinem Leben und er erzählt aus meinem Vorleben. Das ist das Leben meiner Eltern vor meiner Geburt. Und er erzählt über die Stadt Kolberg in Hinterpommern, die jetzt in Polen liegt und Kołobrzeg heißt – woher meine Eltern kommen –, über das Dorf Rieste bei Bersenbrück in der niedersächsischen norddeutschen Tiefebene, in dem ich geboren, und über die Stadt Osnabrück, in der ich aufgewachsen bin.

   Der Titel leitet sich natürlich von Christian Morgensterns populärem Gedicht ab. Der Werwolf, auf den der Titel sich bezieht und den mein Vater auf altdeutsche Weise deklinierte, war Adolf Hitler.  

Die Projektbeschreibung für den Film unter dem Arbeitstitel "Wo ich herkomme" finden Sie hier.

Credits

Kamera: Mustafa Varlık, Ton: Manfred Blank, Assistenz: Merlyn Solakhan,  Buch und Regie: Manfred Blank, Photographien: Günter und Jürgen Blank, viele anonyme Photographen, Musik nach dem Andantino und dem Walzer von Giovanni Fusco für Antonionis Film "Il grido" (Der Schrei) von 1957

90 Min., HD 16:9, mono

Besonderen Dank an Michael Blank, Heike Janning, geb. Blank, und Hieronim Kroczynski